Capote

Gestern war ich endlich im LiWu, um mir den Film "Capote" anzuschauen. Nur wenige Leute waren im Kino, das aber atmosphärisch mehr zu bieten hat, als die Cinestar Kinos, was sicherlich auch mit der Größe des Kinos zu erklären ist.
Zum Inhalt:
Truman Capote, der gerade einen großen Erfolg mit seinem Roman "Frühstück bei Tiffany" verzeichnet, erfährt Anfang der 60er Jahre aus einer Zeitungsanzeige von einem scheinbar kaltblütigen Mordfall an einer vierköpfigen Farmerfamilie in Kansas. Er wittert eine Story für einen Zeitungsartikel und begibt sich daraufhin auf Recherche. Bald muss er jedoch feststellen, dass die Sache komplexer ist als erwartet und beschließt gleich ein ganzes Buch, weniger über den kriminalistischen Tathergang, sondern eher über den Hintergrund und die Auswirkungen der Tat zu verfassen - "ein Buch, dass die Welt verändern wird", wie er selber sagt. Der erste Tatsachenroman soll entstehen und wird später unter dem Namen "In cold blood" (dt: "Kaltblütig") veröffentlicht. Seine Recherche soll sich noch über mehrere Jahre erstrecken und fordert mehr von Capote als gedacht. Er interviewt die Menschen in Holcomb, der Stadt, in der der Mord geschah und freundet sich mit einem der beiden, mittlerweile gefassten Tätern an. Diese werden letztendlich zum Tode durch den Strick verurteilt und nach mehreren Berufungen in Anwesenheit Capotes gehängt.
Meine Bewertung:
Das Buch "Kaltblütig" hat mir schon sehr gut gefallen und obwohl der Film keine Verfilmung dieses sogenannten Tatsachenromans ist, wollte ich mir "Capote" unbedingt angucken. Mit einem Oskar für den besten Schauspieler (Philip Seymour Hoffman für seine Rolle als Truman Capote) ausgezeichnet, macht gerade dieser den Film zu etwas Außergewöhnlichem. Man gewöhnt sich über die Zeit an die sehr seltsame Stimme Capotes, es schwingt jedoch immer etwas nicht Greifbares in der Person Capotes mit und lässt ihn den Zuschauer nicht vollkommen verstehen. So zeigt der Film einem die zwei Facetten Capotes, auf der einen Seite sein Leben in der High Society, in der er sich mit Witzen über alles und jeden profiliert, auf der anderen Seite seine Sensibilität und die Nähe zu einem der Täter. Die eigentliche Handlung des Buches wird dabei anfangs stark vernachlässigt, zum Ende des Films hin läuft sie aber mit den biographischen Inhalten Capotes zusammen. Einen (oder den?) Höhepunkt stellt sicherlich die Schilderung des genauen Tathergangs im Haus der Clutter Familie dar, in der einer der beiden Täter, gegen seine eigentliche Absicht die Mitglieder der Familie erschießt. Capote schafft es jedoch in seinem Buch den Tätern ein menschliches Profil zu geben, das auch im Film gut wiedergegeben wird, jedoch insgesamt eher nur angerissen wird. Spreche ich von "den Tätern" so ist das eigentlich nicht ganz richtig. Die größte Bedeutung fällt Perry Smith (verkörpert durch Clifton Collins Jr.) zu, Capote beschäftigt sich, wie es scheint nur mit ihm, auch wird am Ende nur seine Erhängung, nicht die, des anderen Mörders Dick Hickock (Mark Pellegrino) gezeigt.
Abschließend ist zu sagen, dass dieser Film doch mehr in die Sparte "Nicht massentauglich" fällt, aber schon durch die Form, einer Mischung aus Literaturverfilmung und Biographie besticht. Auch die Schauspieler tragen eine große Rolle zum Gelingen des Films bei. Auf eine teilweise sehr emotionale Weise zeigt er, wie die Recherchen zum Mordfall Truman Capote verändert und vielleicht sogar zerstört haben. "Kaltblütig" sollte Capotes letzter vollendeter Roman werden, nach dem er in Drogensucht verfiel und im Alter von 60 Jahren an einer Überdosis Tabletten starb.
Auch habe ich nach der Vorschau für kommende Filme beschlossen öfter ins LiWu zu gehen (in dem mir, nebenbei bemerkt, ähnlich wie in den Cinestar Kinos wiedermal sehr kalt war).
karo blub - 6. Jun, 09:59
